Jeder, der schon einmal mit seinem Hund verreist ist, kennt die Situation: Das treue Tier, das zu Hause entspannt und ausgeglichen wirkt, verwandelt sich im Auto oder am Flughafen plötzlich in ein nervöses Bündel aus Unruhe. Hecheln, Zittern, übermäßiges Speicheln oder sogar Erbrechen – die Anzeichen von Reisestress beim Hund sind vielfältig und für Mensch und Tier gleichermaßen belastend. Doch die gute Nachricht ist: Mit der richtigen Ernährungsstrategie lässt sich die Reisetauglichkeit deines Vierbeiners verbessern.
Warum Ernährung bei Reisestress eine Rolle spielt
Die Verbindung zwischen Darm und Gehirn ist wissenschaftlich dokumentiert – und das gilt nicht nur für Menschen. Bei Hunden funktioniert diese Darm-Hirn-Achse nach ähnlichen Prinzipien. Stress beeinflusst die Verdauung, und umgekehrt wirkt sich der Zustand des Verdauungssystems auf das emotionale Befinden aus. Eine durchdachte Ernährung vor und während der Reise kann daher dazu beitragen, dass dein Hund entspannter bleibt.
Viele Hundehalter unterschätzen, wie sehr sich Fütterungszeiten, Nahrungszusammensetzung und Portionsgrößen auf das Wohlbefinden ihres Tieres auswirken. Dabei beginnt erfolgreiche Reisevorbereitung bereits mehrere Tage vor der Abfahrt – und zwar am Futternapf.
Die optimale Fütterungsstrategie vor der Reise
Timing ist alles: Wann sollte der Hund fressen?
Eine der häufigsten Fehlannahmen ist, dass man den Hund unmittelbar vor der Abfahrt noch einmal ordentlich sättigen sollte. Das Gegenteil ist richtig: Ein voller Magen verstärkt Übelkeit und Unwohlsein während der Fahrt erheblich. Tiermedizinische Fachquellen empfehlen, den Hund in den letzten vier Stunden vor Reisebeginn nicht mehr zu füttern. Ein leerer Magen kann die Übelkeit verringern und auch die Notwendigkeit häufiger Pinkelpausen reduzieren.
Für längere Reisen bedeutet das konkret: Plane die Abfahrt so, dass dein Hund genügend Zeit zur Verdauung hat. Eine frühmorgendliche Abreise nach einer leichten Abendmahlzeit am Vortag hat sich in der Praxis bewährt.
Leichte Kost statt schwerer Happen
In den 24 bis 48 Stunden vor der Reise solltest du auf besonders leicht verdauliche Nahrung setzen. Fettreiche Mahlzeiten belasten den Verdauungstrakt und erhöhen das Risiko für Reiseübelkeit. Stattdessen eignen sich gekochtes Hühnchen ohne Haut – proteinreich und mager, Reis oder Kartoffeln als schonende Kohlenhydratquellen, Magerquark in kleinen Mengen zur Beruhigung des Magens oder Kürbispüree, das reich an Ballaststoffen und magenschonend ist. Diese Schonkost-Varianten sind nicht nur bekömmlich, sondern reduzieren auch die Kotmenge, was gerade bei langen Fahrten ohne Pause von Vorteil sein kann.
Natürliche Ergänzungen mit beruhigender Wirkung
Neben der Basisernährung können bestimmte natürliche Zusätze helfen, die Nervosität zu reduzieren. Diese sollten jedoch immer in Absprache mit einem Tierarzt eingesetzt werden. Ein bewährtes Hausmittel bei leichter Übelkeit sind Präparate aus Ingwer und Melisse. Diese haben eine natürliche, beruhigende Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt und werden von Tierärzten häufig empfohlen. Die Anwendung sollte bereits einige Tage vor der Reise beginnen, um die beste Wirkung zu erzielen.
L-Theanin und Caseinproteine
L-Theanin aus grünem Tee sowie bestimmte Caseinproteinderivate haben sich in der Praxis als wirksam bei der Reduzierung von Angst erwiesen, ohne dabei stark sedierend zu wirken. Solche Ergänzungsmittel sind speziell für Hunde erhältlich und können die Reisetauglichkeit merklich verbessern. Probiotika unterstützen die Darmgesundheit und können über die Darm-Hirn-Achse positive Effekte auf die Psyche haben. Eine gesunde Darmflora trägt zur allgemeinen Stressresilienz bei und kann gerade bei nervösen Hunden langfristig sinnvoll sein.
Hydration: Der unterschätzte Faktor
Dehydration verstärkt Stresssymptome und kann zu Kreislaufproblemen führen. Gleichzeitig möchten viele Halter vermeiden, dass der Hund unterwegs ständig Wasser lassen muss. Die Lösung liegt im richtigen Timing: Biete deinem Hund bis etwa eine Stunde vor Abfahrt freien Zugang zu frischem Wasser an. Während der Fahrt solltest du bei längeren Reisen alle zwei bis drei Stunden Trinkpausen einlegen.

Ein praktischer Tipp: Eiswürfel aus Hühnerbrühe ohne Gewürze sind eine gute Möglichkeit, den Hund zu beschäftigen und gleichzeitig für eine langsame, kontrollierte Flüssigkeitsaufnahme zu sorgen.
Snacks für unterwegs: Was gehört in die Reisetasche?
Für nervöse Hunde können kleine, strategisch eingesetzte Leckerlis während der Reise Wunder wirken. Sie schaffen positive Assoziationen und können von stressigen Situationen ablenken. Geeignet sind:
- Getrocknete Süßkartoffelchips – lange Kaudauer, kalorienarm
- Karotten-Sticks – knackig und zahnreinigend
- Spezielle Kauartikel mit beruhigenden Zusätzen wie Kamille oder Baldrian
Vermeide unbedingt neue, unbekannte Leckerlis kurz vor oder während der Reise – Futtermittelallergien oder Unverträglichkeiten zeigen sich oft erst mit Verzögerung und können die Situation dramatisch verschlimmern.
Was du unbedingt vermeiden solltest
Ebenso wichtig wie die richtigen Ernährungsstrategien ist das Wissen darüber, was schadet. Füttere niemals unmittelbar vor oder während der Fahrt große Mengen. Verzichte auf stark gewürzte, fettige oder gasbildende Nahrungsmittel wie Kohl oder Hülsenfrüchte. Auch Milchprodukte in größeren Mengen sind problematisch, da viele erwachsene Hunde laktoseintolerant sind.
Besondere Vorsicht ist bei vermeintlich beruhigenden Hausmitteln geboten: Alkohol ist für Hunde hochgiftig, und auch menschliche Beruhigungsmittel dürfen niemals ohne tierärztliche Anweisung verabreicht werden.
Verhaltenstherapie als wichtigste Maßnahme
So hilfreich Ernährungsstrategien auch sein mögen – die wirksamste Prävention gegen Reisestress ist ein gezieltes Training. Hunde sollten schrittweise an Autofahrten gewöhnt werden, beginnend mit kurzen Fahrten und positiver Verstärkung. Das Auto sollte für den Hund ein Ort positiver Erlebnisse werden, nicht nur ein Transportmittel zum Tierarzt.
Setze dich mit deinem Hund zunächst nur ins geparkte Auto, ohne zu fahren. Belohne ruhiges Verhalten mit Leckerlis und Lob. Steigere langsam: erst kurze Strecken um den Block, dann längere Fahrten. Diese Desensibilisierung braucht Zeit, ist aber die nachhaltigste Lösung.
Wenn nichts hilft: Tierärztliche Unterstützung
Bei Hunden mit ausgeprägter Reiseübelkeit können tierärztliche Medikamente notwendig werden. Der Wirkstoff Maropitant hat sich als besonders wirksam erwiesen und muss ein bis zwei Stunden vor der Fahrt verabreicht werden. Sprich mit deinem Tierarzt über die Optionen, wenn dein Hund trotz aller Vorbereitungen stark leidet.
Langfristige Vorbereitung macht den Unterschied
Die beste Ernährungsstrategie für die Reise beginnt nicht erst am Abfahrtstag, sondern ist Teil einer ganzheitlichen, ausgewogenen Fütterung im Alltag. Ein Hund, der dauerhaft hochwertig und ausgewogen ernährt wird, bringt eine stabilere Grundkonstitution mit und kann Stresssituationen besser bewältigen.
Regelmäßige Routinen bei den Fütterungszeiten schaffen zudem Sicherheit. Ein Hund, der an feste Zeiten gewöhnt ist, kommt mit Abweichungen während der Reise besser zurecht, wenn diese behutsam eingeleitet werden. Die Reise mit deinem Hund muss kein Albtraum sein. Mit der richtigen Ernährungsvorbereitung, einem sensiblen Timing und dem Wissen um beruhigende Zusätze kannst du die Stressbelastung für deinen vierbeinigen Begleiter reduzieren. Kombiniert mit gezieltem Training und bei Bedarf tierärztlicher Unterstützung wird die gemeinsame Zeit zu einem positiven Erlebnis für Mensch und Tier.
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