Dein Android-Tablet kann mehr als du denkst: Diese versteckte Funktion kennen die wenigsten

Die meisten Android-Tablet-Besitzer nutzen ihr Gerät, als wäre es ausschließlich für eine Person gedacht. Dabei versteckt sich in den Tiefen der Einstellungen eine Funktion, die das Tablet in ein echtes Mehrbenutzersystem verwandelt – ähnlich wie bei einem Desktop-Computer. Die Rede ist von der Mehrere Benutzer-Funktion, die nicht nur für Familien interessant ist, sondern auch jedem hilft, der Berufliches und Privates sauber trennen möchte.

Warum separate Benutzerprofile mehr sind als nur eine Spielerei

Wenn Ihr Tablet zum Familiengerät wird, kennen Sie das Problem: Die Kinder spielen ihre Spiele, schauen ihre Serien und hinterlassen überall ihre digitalen Spuren. Plötzlich sind Ihre sorgfältig organisierten Apps durcheinander, der Browser-Verlauf quillt über und die Empfehlungen in YouTube haben nichts mehr mit Ihren Interessen zu tun. Genau hier greift die Mehrbenutzer-Funktion.

Jedes Profil funktioniert wie ein komplett eigenständiges Tablet innerhalb Ihres Tablets. Jeder Nutzer erhält seinen eigenen Startbildschirm, seine individuellen App-Installationen, separate Browser-Daten und unterschiedliche Wallpaper. Es ist, als hätte jede Person ihr eigenes Gerät – nur eben auf derselben Hardware. Die Funktion ist seit Android 5 Lollipop verfügbar und wird von den meisten modernen Tablet-Herstellern unterstützt.

So richten Sie mehrere Benutzerprofile ein

Der Weg zu dieser praktischen Funktion ist überraschend einfach, wenn man weiß, wo man suchen muss. Öffnen Sie zunächst die Einstellungen Ihres Android-Tablets. Je nach Hersteller und Android-Version kann die Navigation leicht variieren, aber der grundsätzliche Ablauf bleibt gleich.

Navigieren Sie zum Bereich System. Bei manchen Geräten findet sich dieser Punkt ganz unten in den Einstellungen, bei anderen müssen Sie möglicherweise nach Erweitert suchen. Innerhalb des System-Menüs stoßen Sie auf den Eintrag Mehrere Nutzer oder Benutzer.

Hier offenbart sich die Schaltzentrale für alle Benutzerprofile. Tippen Sie auf Nutzer hinzufügen, und das System fragt Sie, ob Sie einen neuen Nutzer oder ein eingeschränktes Profil erstellen möchten. Der Unterschied ist wichtig: Ein vollwertiger Nutzer erhält alle Rechte und kann Apps installieren sowie Einstellungen ändern. Ein eingeschränktes Profil – auch Gast-Modus genannt – bietet sich für temporäre Nutzung oder Kinder an, bei denen Sie kontrollieren möchten, welche Apps zugänglich sind.

Erster Start: Was beim neuen Profil passiert

Sobald ein neues Profil erstellt wurde, startet das Tablet in einem weitgehend leeren Zustand. Der neue Benutzer durchläuft einen verkürzten Einrichtungsprozess, ähnlich wie bei einem fabrikneuen Gerät. Google-Konto verknüpfen, grundlegende Einstellungen vornehmen – all das gehört dazu. Dieser Prozess mag zunächst umständlich wirken, schafft aber genau die Trennung, die den Mehrwert ausmacht.

Interessant wird es bei den Apps: Vorinstallierte System-Apps sind in jedem Profil vorhanden, aber separat konfigurierbar. Wenn der Hauptnutzer Chrome mit zahlreichen geöffneten Tabs und gespeicherten Passwörtern nutzt, startet Chrome im neuen Profil völlig frisch. Apps, die Sie als Hauptnutzer aus dem Play Store installiert haben, erscheinen nicht automatisch in anderen Profilen – jeder muss seine Apps selbst installieren oder der Administrator kann sie freigeben.

Zwischen Profilen wechseln: Schneller als gedacht

Der Wechsel zwischen den Nutzerprofilen ist so gestaltet, dass er im Alltag nicht stört. Wischen Sie vom oberen Bildschirmrand nach unten, um die Schnelleinstellungen zu öffnen. Dort, meist in der oberen rechten Ecke, finden Sie ein kleines Benutzersymbol – oft ein stilisierter Kopf oder das Profilbild des aktuellen Nutzers.

Ein Tipp darauf öffnet die Nutzerübersicht. Alle eingerichteten Profile werden angezeigt, und mit einem weiteren Tipp wechseln Sie das Profil. Der Wechsel erfolgt innerhalb weniger Augenblicke – das System muss schließlich den aktuellen Zustand speichern und das andere Profil laden.

Was passiert im Hintergrund beim Profilwechsel?

Android behandelt jeden Profilwechsel ähnlich wie einen Neustart für die Benutzerumgebung. Die Daten des vorherigen Nutzers werden geschützt abgespeichert, laufende Apps werden beendet, und das neue Profil wird mit all seinen Einstellungen geladen. Das ist auch der Grund, warum Sie im anderen Profil keine Benachrichtigungen vom Hauptprofil sehen – die Trennung ist vollständig. Kein Nutzer hat Zugriff auf die App-Daten eines anderen Nutzers, was ein hohes Maß an Privatsphäre garantiert.

Praktische Anwendungsfälle abseits des Offensichtlichen

Familien mit Kindern profitieren offensichtlich von dieser Funktion, aber es gibt noch zahlreiche andere Szenarien. Freelancer und Selbstständige können ein berufliches und ein privates Profil führen – keine geschäftlichen E-Mails mehr in der Freizeit, keine privaten Social-Media-Ablenkungen während der Arbeitszeit.

Wer sein Tablet gelegentlich Gästen zur Verfügung stellt, schätzt ein vorbereitetes Gast-Profil: keine Sorge um versehentlich gelöschte Dateien oder neugierige Blicke in persönliche Nachrichten. Nach der Nutzung lässt sich ein Gast-Profil mit wenigen Tipps zurücksetzen. Auch für Paare, die sich ein Tablet teilen, erweist sich die Funktion als praktisch. Verschiedene YouTube-Algorithmen, separate Spotify-Playlists und individuelle App-Anordnungen vermeiden Frust und Diskussionen.

Grenzen und Einschränkungen kennen

So praktisch die Mehrbenutzer-Funktion ist, sie hat Grenzen. Der Speicherplatz wird von allen Profilen geteilt – wenn das Tablet nur 64 GB hat und jedes der drei Profile erheblich Apps und Daten speichert, wird es eng. Ein regelmäßiger Blick auf den verfügbaren Speicher ist ratsam, denn jedes zusätzliche Benutzerkonto verbraucht wertvollen Platz.

Manche Apps zeigen Eigenheiten bei der Mehrbenutzer-Nutzung. Apps müssen in jedem Profil separat installiert werden, und abhängig davon, wie der Entwickler die Lizenzierung implementiert hat, können unterschiedliche Verhaltensweisen auftreten. Auch einige Banking-Apps oder Apps mit strengen Sicherheitsanforderungen funktionieren nicht in allen Profilen gleich gut.

Wichtig zu wissen: Nicht alle Hersteller aktivieren die Mehrbenutzer-Funktion. Während sie bei Google Pixel-Geräten, Samsung Galaxy Tablets und vielen anderen Marken verfügbar ist, haben einige Hersteller wie Xiaomi und Redmi die Funktion deaktiviert oder versteckt. Hier lohnt sich vor dem Kauf ein Blick in die technischen Spezifikationen, falls diese Funktion für Sie entscheidend ist.

Sicherheit und Datenschutz auf neuem Level

Die Trennung der Profile bietet einen unterschätzten Sicherheitsvorteil. Sollte ein Profil durch eine bösartige App kompromittiert werden, bleiben die anderen Profile geschützt. Kinder können in ihrem Profil keine versehentlichen Käufe im Hauptprofil tätigen, und sensible Arbeitsdokumente bleiben vom privaten Browser-Chaos getrennt.

Für die Einrichtung eines kindersicheren Profils empfiehlt sich die Verwendung eines eingeschränkten Profils, bei dem der Administrator genau festlegen kann, welche Apps zugänglich sind. So behalten Eltern die Kontrolle, ohne ständig über die Schulter schauen zu müssen. Die vollständige Datentrennung zwischen den Profilen sorgt dafür, dass jeder Nutzer seine eigene digitale Welt hat, ohne dass sich die verschiedenen Welten vermischen oder gegenseitig beeinflussen.

Die Mehrbenutzer-Funktion auf Android-Tablets ist eines dieser Features, die man nicht vermisst, bis man sie einmal genutzt hat. Danach möchte man sie nicht mehr missen. Sie verwandelt ein einzelnes Gerät in ein flexibles Werkzeug für verschiedene Lebensbereiche und Personen – und das alles mit wenigen Tipps in den Einstellungen. Wer sein Tablet intensiv nutzt oder es mit anderen teilt, findet hier eine elegante Lösung für viele alltägliche Herausforderungen.

Wie viele Profile nutzt du auf deinem Tablet?
Nur eins für alles
Zwei für privat und beruflich
Mehrere für die ganze Familie
Eins mit Gästeprofil
Ich wusste nicht dass das geht

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